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Alt 13.10.2021, 19:31
Ilja_CH Ilja_CH ist offline
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Hallo zusammen

Ich möchte hier einige weitere Infos niederschreiben.

Im Eröffnungsbeitrag zitierte ich den Text von Paul Jenzer’s Ehefrau:

Im Jahr 1903 verliess die ganze Familie Jenzer Huttwil. Finanzielle Schwierigkeiten und berufliche Unstimmigkeiten, für welche sich Vater Jenzer verantworten musste, brachte die grosse Familie in eine missliche Lage. Nach kurzer Zeit fand jedoch Vater Jenzer eine neue Stelle als Buchhalter in der Armenanstalt [es steht geschrieben: Annenanstalt] in Worben und die Familie war in dieser Zeit in Lyss. Schon im Jahr 1908 zogen sie alle nach Bern wo Vater Jenzer als Revisor an der kantonalen Steuerverwaltung angestellt wurde.

Nun habe ich erfahren, das 1903 nicht ganz korrekt sein kann. Bei meinem Vater habe ich Postkarten von Paul Jenzer gefunden, als er 1904 die RS gemacht hat. Die Abschriften konnte ich mit Hilfe dieses Forums erstellen. Dies hat mir geholfen, weil ich die Texte nicht ganz lesen konnte.

Die erste der zwölf vorhandenen Postkarten hat Paul am 17.03.1904 nach Hause geschickt. Als Adresse gab er folgendes an:

Familie Jenzer Notars
Huttwil
Bern

Die letzte Postkarte – zumindest die letzte, die wir gefunden haben – hat Paul am 30.04.1904 nach Hause geschickt und die Adresse wie folgt formuliert:

Frau
Rosali Jenzer, Notars
Huttwil
Bern

Er hat nach ein paar Postkarten angefangen, seine Mutter direkt als Adressat anzugeben.

Dies muss doch bedeuten, dass Gottfried und seine Frau Rosina zumindest im ersten Quartal 1904 Huttwil noch nicht verlassen haben. Falls der Umzug in Planung oder im Gange war, dann noch nicht fertig abgeschlossen.

Schlussendlich ist es ein kleines Detail.

Ich muss mein Glück mit den Gemeinden Lyss, Worben und Kappelen versuchen.
In Kappelen BE wurde 1906 Tochter Alice geboren, Tochter Helene wurde 1907 in Lyss geboren. Gemäss dem oben zitierten Text weilte die Familie Jenzer dort. In Worben arbeitete Gottfried bei der Armenanstalt. Auch dadurch könnte man vielleicht etwas herausfinden.

Leider finde ich im Staatsarchiv in der Onlinesuche nicht wirklich viel zur Armenanstalt Worben. Auf der Homepage der Gemeinde Kappelen gibt es etwas darüber, auch auf https://www.e-newspaperarchives.ch/ findet sich der ein oder andere Beitrag zur „seeländischen Armenanstalt Worben“. Aber nichts Brauchbares.

Wäre interessant zu wissen, wo die Familie bzw. der Rest davon, der dann nach Bern zog, zwischenzeitlich gelebt hat.

Eine der drei oben erwähnten Gemeinden habe ich bereits wegen alter Einwohnerregister angeschrieben, eine Aufforderung kam zurück, einen vorfrankierten Briefumschlag und pro gesuchte Person etwas Cash in Form von Briefmarken zuzusenden. Was hatte ich eine Freude! Aber danach kam alles zurück mit der Info, ich müsse mich ans Staatsarchiv melden. Obschon die Einwohnerregister bei den Gemeinden liegen und nicht Kantons Sache sind. Eventuell melde ich mich dort nochmals…

Ich frage mich generell, was so alles in einem Gemeindearchiv liegt. Ist vermutlich pro Gemeinde sehr unterschiedlich. Aber eventuell gibt es noch andere Quellen statt nur die Ab- und Anmeldungen der Gemeindeeinwohner, die für Ahnenforschung von Belang sein könnten?

Zudem habe ich endlich nach über zehn Monaten Wartezeit alle meine Abschriften der Kontraktenprotokolle (1730 bis 1800) und der Grundbücher (1800 bis 1900) Huttwil zurück erhalten. Etwas mehr als 200 A4-Seiten lesbarer Text in Word-Dokumenten. Fast zweieinhalbe Monate Arbeit für meinen Abschriftexperten. Aber es hat sich gelohnt. Die jeweiligen Bücher bin ich im Dezember 2020 durchgegangen und habe hunderte Fotos gemacht. Zum Glück gab es immer auf der Rückseite ein Namensregister und ich konnte nach „Jenzer“ suchen mit Seitenanzahl. Danach immer die Doppelseite abfotografiert und dann näher gezoomt mehrere Fotos pro Seite, damit alles gut lesbar ist. Ich war mir natürlich nicht immer sicher, ob ich nun wirklich „Jenzer“ gelesen habe oder etwas anderes. Für eine Einsicht in die Grundbücher von 1800 bis 1900 benötigt es einer Erlaubnis durch das Grundbuchamt.

Dies war mein Versuch, erstens mehr über die direkten noch nicht erwiesenen Vorfahren herauszufinden und zweitens zu sehen, wo Notar Gottfried und die nachweisbaren Vorfahren lebten.

Die Dokumente auszuwerten, wird sehr viel Zeit brauchen, das kann ich schon sagen.

Aber ein paar Details möchte ich hier schon nennen

Heutiges Haus an der Marktgasse 4 in Huttwil (heutiger Besitzer Einwohnergemeinde Huttwil) gehörte Notar Gottfried Jenzer. Ich hatte das schon stark vermutet, nun habe ich die Bestätigung. An der Marktgasse 2 befindet sich das Stadthaus. Heute ein Restaurant mit den Familienwappen an den Fenstern, früher war es das klassische Stadthaus. Schon beim Stadtbrand in den 1800er Jahren war dort das Stadthaus. Und schon damals gehört das Haus gleich neben dem Stadthaus einem Jenzer.

Bereits durch die Lektüre „Huttwil 1834“ von Jürg Rettenmund und vor allem seiner Informationen, die er mir zusätzlich geschickt hat, wusste ich bereits, dass Gottfried’s Grossvater Andreas Jenzer das Haus neben dem Stadthaus besessen hat. Besser gesagt, er hat sich das Haus zusammen mit Joseph Hotz geteilt. Joseph Hotz war Arzt und sehr wohlhabend, er hatte viele andere Häuser. Deshalb liess er das Haus neben dem Stadthaus nicht versichern. Als 1834 ganz Huttwil niedergebrannt ist, konnte Andreas Jenzer deshalb nach dem Brand nicht auf Geld durch eine Versicherung hoffen, um wieder etwas aufzubauen. Und weil Hotz eben anderen Häuser hatte, lag ihm nichts am Wiederaufbau des abgebrannten Hauses neben dem Stadthaus. Schlussendlich konnte Andreas das Gebäude wiederaufbauen und kaufen. Er kaufte auch den Garten hinter dem Haus (das Dreieck zwischen Brunnenplatz und Viehmarktstrasse) und eine Baugrube (vermutlich etwas weiter südlich oder südwestlich vom Garten). Als Andreas senior starb, erbte dessen Sohn Ulrich Jenzer alles. Dieser lebte jedoch nicht in Huttwil, sondern war Metzger in Aigle. Er übergab alles dem Bruder Andreas. Andreas junior übernahm Haus, Garten und die Baugrube. Erst war er – wie sein Vater Andreas – Dreschler, danach Krämer. Das Krämergeschäft hatte er direkt im Haus. Gottfried übernahm das Haus 1890. Er vergrösserte den Laden. Im Oktober 1898 verlor er das Gebäude.


Weiss jemand, ob es eigentlich ein Schweizer Militär-Archiv gibt oder ob das Militär Sachen überhaupt aufbewahrt oder auch freigibt? Z. B. die Rekrutenschule, die Aushebung, WK und all diese Dinge. Dienst während dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Ich nehme an, da schlummert viel Material über die männlichen Vorfahren, aber darf man da überhaupt Einblick haben?
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