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Alt 17.01.2022, 18:34
Silvio52 Silvio52 ist offline männlich
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Hallo,

vielleicht reden wir von verschiedenen Dingen, aber am 22. Juli 1915 musste vom russischen Oberbefehlshaber die Evakuierung Polens befohlen werden.

Während des unter schweren Kämpfen erfolgten Rückzuges wurden bis zu 4 Millionen Zivilisten ins Landesinnere Russlands umgesiedelt, darunter ca. 140.000 Deutsche.

Es wird berichtet, dass sie teilweise innerhalb von 24 Stunden ihre Häuser und Höfe verlassen mussten. Zeitgleich war die Bahn hoffnungslos überlastet, die Verbindungsstraßen verstopft. Insbesondere an den Übergängen des Flusses Bug staute es sich und es wurden Flüchtlingslager improvisiert. Tausende starben unterwegs an Hunger und Krankheiten, die meisten verloren sämtliches Hab und Gut. Bis zum Ende des Sommers 1915 war ganz Russisch-Polen von den Armeen der Mittelmächte besetzt.

Meine Vorfahren lebten nun unter erbärmlichen Umständen in Baschkirien, nahe Ufa.

Als eine Folge der russischen Oktoberrevolution von 1917 wird am 3. März 1918 der Raubfrieden von Brest-Litowsk unterzeichnet. Artikel XII des Vertrages legte u.a. den Austausch der Zivilinternierten fest. Im Artikel 18, § 1 des Zusatzvertrages vom 7. März 1918 hieß es dazu: „Die beiderseitigen internierten oder verschickten Zivilangehörigen werden tunlichst bald unentgeltlich heimbefördert werden (…)“.

Während letztlich die Grenzziehung des wiedererstandenen Polen im Osten noch bis 1921 / 1939 strittig blieb (Curzon-Linie), konnten die ersten Kolonisten wieder heimkehren. Die Heimkehr meienr Vorfahren in die zwischenzeitlich geplünderten Orten erfolgte zwischen Herbst 1918 und Ende 1922.

Ich hoffe, das war gemeint.
Silvio
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