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  #1  
Alt 11.05.2022, 13:52
Grisabel Grisabel ist offline weiblich
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Standard Kirchenfilialen - Was muss ich mir darunter vorstellen?

Hallo zusammen,

ich war ziemlich überrascht, als ich bei matricula feststellte, dass ich nicht noch länger auf Oberselters warten musste, sondern dass meine gesuchten Daten bereits zu finden waren, und zwar im Kirchenbuch von Bad Camberg.

Mittlerweile weiß ich, dass die Kirchenbemeinde Oberselters zunächst als Kirchenfiliale zur Pfarrei Camberg gehörte, aber was ich mir genau darunter vorstellen muss wurde leider nicht gesagt. 1776 wurde die Kirche St Antonius in Oberselters errichtet.
Quelle:https://bad-camberg.bistumlimburg.de...s-oberselters/

Für Schwickershausen habe ich gelesen, dass die Taufen in Camberg sein mussten, auch an hohen Feiertagen wäre die Messe in Camberg zu besuchen. Die Begräbnisse jedoch fänden im Ort Schwickershausen statt. Zu Trauungen stand dort glaube ich nichts. Verhielt es sich in Oberselters wohl genauso? Heute gehören alle Orte zu Bad Camberg.

Vielleicht hat das auch einen Einfluss auf den Abstand Geburt und Taufe gehabt, ich bin nämlich im Moment in der Zeit angekommen, in der nur noch die Taufe per Datum genannt wird. Ich frage mich nun auch, welchen Tag ich für die Geburt ansetzen soll. Den der Taufe, einen Tag vorher oder noch einen größeren Abstand?

Vielleicht gibt es hier ja auch Forscher, die in dieser Region unterwegs sind.

Danke fürs Lesen und Antworten.Liebe Grüße
Petra
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LG Petra
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  #2  
Alt 11.05.2022, 14:07
pascho pascho ist gerade online
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Filialkirchen sind ursprünglich "Tochterkirchen" bestehender Pfarrkirchen, d.h. Kirchen, die das Tauf- und Begräbnisrecht und einen ordentlich eingesetzten Pfarrer mit den entsprechenden Rechten und Vollmachten hatten. Filialkirchen wurden meistens gebaut, wenn in die Bevölkerung wuchs. Betreut und verwaltet wurde die Filiale aber von der Mutterpfarrei aus (wenn auch häufig mit eigenem Vikar/Geistlichen). War der Einzugsbereich der Filiale bzw. die Zahl der Gläubigen und die wirtschaftliche Position ausreichend, konnte eine Filiale selbst zur Pfarrei erhoben werden.


Heute werden Pfarrkirchen häufig (hängt von den Plänen des jeweiligen Bistums ab) zu Filialkrichen, wenn Pfarreien zusammengelegt werden.
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Viele Grüße Pascal
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  #3  
Alt 11.05.2022, 14:26
Grisabel Grisabel ist offline weiblich
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Danke Pascal!
Also war das eher so, dass dort ein Vikar (o.ä.) eingesetzt wurde, und nicht der jeweilige Pfarrer immer vorbeigekommen ist. In letzterem Fall würde ich eher nur Beerdigungen vor Ort annehmen, in ersterem auch Taufen. Und der Abstand zwischen Geburt und Taufe kürzer.


Wie sah es denn mit Trauungen aus? Fanden die in jedem Fall in der Hauptkirche statt? Oder immer in der Filialkirche?
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LG Petra
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  #4  
Alt 11.05.2022, 18:24
pascho pascho ist gerade online
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Das wird von der Größe der Pfarrei, der Länge der Wege, der Anzahl der verfügbaren Geistlichen, dem Wohlstand der Pfarrei, etc. abgehangen haben.


Grundsätzlich standen alle Amtshandlungen (Taufen, Trauungen, Beerdigungen) dem Pfarrer zu, an den auch die Stolgebühren - zumindest anteilig - flossen.



Der Vikar handelt - zumindest formal - immer als Stellvertreter des Pfarrers. Ob eine Filialkirche einen festen Vikar hat, der als Quasi-Pfarrer agiert oder die Geistlichen über die verschiedenen Kirchen und Kapellen der Pfarrei rotierten, war eine Frage der Tradition und der beteiligten Charaktere.


Beispiel: Zu der Pfarrei aus der meine Familie stammt gehörte über Jahrhunderte eine Filialkirche, die aber spätestens seit dem 30jährigen Krieg von einem Vikar fest betreut wurde, eine eigene Buchführung hatte, einen eigenen Friedhof und deren Angehörige weder für Taufe noch Trauung noch Beerdigung zur Mutterkirche mussten. Diese Filialkirche wurde dann irgendwann später zur eigenen Pfarrei erhoben. Heute sind beide Kirchen Filialen der neuen Großpfarrei.


Aber ich kenne auch Beispiele für Pfarren in denen alle Kasualien in den Büchern der Mutterpfarrei notiert und die Vikare nach Bedarf eingesetzt wurden.
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Viele Grüße Pascal
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  #5  
Alt 13.05.2022, 09:04
Grisabel Grisabel ist offline weiblich
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Danke nochmals Pascal.
Notiert wurde in den Büchern von Camberg. Aber ob die Taufe, die Trauung oder das Begräbnis nun in Camberg, oder in der Filialkirche stattfanden kann ich aus den Unterlagen nicht herauslesen. Vielleicht steht der Buchstabe ganz zu Beginn für genau das, aber ich habe dazu bisher keine Erläuterung gefunden und kann es nur vermuten. Warum sonst sollte ein Ort eine Kirche haben, wenn dort nichts stattfand ausser vielleicht den Gebeten der Ortseinwohner?
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LG Petra
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  #6  
Alt 13.05.2022, 12:43
pascho pascho ist gerade online
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Zitat:
Zitat von Grisabel Beitrag anzeigen
Warum sonst sollte ein Ort eine Kirche haben, wenn dort nichts stattfand ausser vielleicht den Gebeten der Ortseinwohner?
Als Katholik finde ich das schon gar nicht so wenig. Der sonntägliche Gottesdienst bzw. die sonntägliche Messe waren für die Altvorderen schon wichtig genug - gerade, wenn die Mutterkirche weiter weg war.



Um die Rolle von St. Antonius genauer zu beleuchten, hätte ich ein paar Anregungen, mit denen man dem vielleicht etwas näher kommt:


Gibt es eine Chronik in der z.B. die Aufstellung eines Taufbeckens oder die Anschaffung einer Taufschale/-kanne für St. Antonius als Neuerung beschrieben wird?



Gibt es Informationen, wann ein eigener Friedhof angelegt wurde?


Gibt es eine Ortschronik, in der das Verhältnis von Mutterkirche und Filiale skizziert wird?


Werden die Kasualien der Familien von Oberselters immer von demselben Geistlichen vorgenommen (zumindest die Taufen und Eheschließungen)? Dazu passt auch, ob in den Büchern von Camberg immer nur ein Schreiber die Eintragungen vorgenommen hat, oder ob es unterschiedliche Schriften gibt?
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Viele Grüße Pascal
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  #7  
Alt 13.05.2022, 13:25
Grisabel Grisabel ist offline weiblich
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Hallo Pascal,
mit Gebet meinte ich auch tatsächlich nur Gebete. Weder Messen noch die Abnahme der Beichte. Eine Messe ist ja mehr als nur ein Gebet.
Was war "damals" weiter weg. Meine Großeltern sind in Ostpreußen mal eben nachts über eine Stunde zum Arzt gelaufen. Und zeitlich dürften Oberselters und Camberg genauso weit auseinander liegen. War das weit? War das nah? Und welche Möglichkeiten der Fortbewegung ausser laufen hatten die jeweiligen Einwohner?



Danke für deine Anregungen. Manchmal kommt man eben nicht auf die einfachsten Dinge.
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LG Petra
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  #8  
Alt 13.05.2022, 15:05
Benutzerbild von Andre_J
Andre_J Andre_J ist offline
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Zitat:
Zitat von Grisabel Beitrag anzeigen
Und welche Möglichkeiten der Fortbewegung ausser laufen hatten die jeweiligen Einwohner?
Das Rad ist schon vor einiger Zeit erfunden worden. Wenn zahlreiche Dorfbewohner ins entfernte Kirchdorf mussten, hat man eventuell ein oder mehrere Pferdefuhrwerke organisiert.

Die Stellung einer Filialkirche war in erster Linie eine Frage des Geldes: was dem Pfarrer entging, und dem Dorfgeistlichen (Vikar) zukam. Wenn die Filiale zu umfangreich wurde, war der Pfarrer eventuell auch froh, wenn er nicht mehr dorthin musste.

Natürlich kam es auch vor, daß Kirchen zu Filialen degradiert wurden, wenn die Finanzierung durch adlige Stiftungen wegbrach, und bei Einwohnerschwund infolge Kriegswirren oder Unwetterschäden.
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Gruß,
Andre
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  #9  
Alt 13.05.2022, 17:35
pascho pascho ist gerade online
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In vielen Fällen ging auch nicht der ganze Haushalt jeden Sonntag nach der Kirchen sondern oft nur ein oder zwei "Stellvertreter".


Was als "weit" empfunden wird, dürfte geschwankt haben. Rheinische Pfarreien (Köln-Bonner-Bucht) z.B. sind in der Regel flächenmäßig eher klein - selbst, wenn zu einem Kirchspiel mehrere Siedlungsplätze gehörten, waren es wohl nur selten mehr als 2 km zu Fuß.



Meine Vorfahren in Hessen dagegen, mussten von Weilers zur Kirche nach Wächtersbach rund 5,5 km zurücklegen.



In Österreich sind mir noch sehr viel weitere Entfernungen begegnet. In Gebieten mit ausgesprochener Einzelhofsiedlung (Münsterland, Friesland, Schwarzwald, etc.) ist das ja auch unvermeidlich. In Österreich wurde mit der josephinischen Kirchenreform festgelegt, daß jedes Gemeindemitglied nur 1 Stunde Weg zur Kirche hat (und für je 700 Seelen sollte eine Kirche zur Verfügung stehen). Ob das so umgesetzt wurde, weiß ich allerdings nicht.
__________________
Viele Grüße Pascal
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  #10  
Alt Heute, 09:39
Grisabel Grisabel ist offline weiblich
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Danke euch beiden. Natürlich ist mir bekannt, dass das Rad vorher erfunden wurde. Meine Vorfahren aus Oberselters waren sicher nicht so begütert dass sie ein Pferd besessen haben. Dorf heißt ja nicht zwangsläufig Land- und Tierbesitzer bzw. nutzer.

Mittlerweile habe ich auch Auskunft vom Stadtarchiv Bad Camberg bekommen:
Zitat:
In der fraglichen Zeit wurden Eheschließungen, Taufen und Todesfälle aller Filialen, auch der Oberselterser, in der Pfarrkirche in Camberg vorgenommen und im Kirchenbuch verzeichnet. Zur Filiale St. Antonius gibt es keine eigene Veröffentlichung.
__________________
LG Petra
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