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  #1  
Alt 14.01.2022, 17:18
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consanguineus consanguineus ist gerade online männlich
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Standard Über welche Entfernung wurden im 18. Jhd. Leichen überführt?

Hallo zusammen!

In der Literatur findet man die Angabe, daß der kgl. Preußische Kriegs- und Domänenrat Christian Ludwig Wißmann am 02.11.1759 in Köslin gestorben sein soll (Marcelli Janecki, Handbuch des preußischen Adels, Erster Band, S. 616 und Rolf Straubel, Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740-1806, S. 1115). Den Sterbeeintrag dazu gibt es in Stettin (St. Marien, Bestattungen 1705-1768, S. 83, Nr. 89/1759): "d(en) 4 Nov(embris): H(err): Kriegs=Rath Wissmann, ein Ehemann, alt 56 Jahr."

Theoretisch betrachtet ist das zunächst kein Widerspruch. Er kann ja durchaus in Köslin gestorben und dann zwei Tage später in Stettin begraben worden sein. Aber Köslin und Stettin liegen rund 170 km voneinander entfernt! Das kommt mir seltsam vor. Mit einem Fuhrwerk wird das kaum in zwei Tagen zu schaffen gewesen sein. Ich weiß nun nicht, ob die Angabe des Sterbeortes in der Literatur korrekt ist, oder ob Wißmann in Stettin begraben wurde. Beides geht meiner Meinung nach nicht. Wurde er vielleicht tatsächlich in Köslin begraben und wurde dieses Ereignis in Stettin, St. Marien notiert, weil er ein Mitglied dieser Kirchengemeinde war? Aber hätte der Pastor dann nicht einen entsprechenden Vermerk gemacht?

Was meint Ihr?

Viele Grüße
consanguineus
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Geändert von consanguineus (15.01.2022 um 00:31 Uhr)
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  #2  
Alt 14.01.2022, 17:31
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GiselaR GiselaR ist offline weiblich
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Hallo Consanguineus,
es wäre interessant zu sehen, ob es ein Kirchenbuch von Köslin mit einem entspr. Eintrag gibt. Manchmal sind ja die Verstorbenen eingetragen, manchmal die begrabenen.

Außerdem wissen wir wohl nicht, um wieviel Uhr er gestorben ist und unter welchen Umständen. Wenn er früh am Tag, u.U.noch in der Nacht starb und am späten Abend begraben wurde, könnte man 2 3/4 Tage rausschinden. Das wäre zu schaffen.
Wenn er nicht überraschend starb, könnte der Transport und Begräbnis nach seinem Wunsch schon vorher vorbereitet gewesen sein.

Grüße
Gisela
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  #3  
Alt 14.01.2022, 17:43
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consanguineus consanguineus ist gerade online männlich
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Hallo Gisela,

ich kenne die Kirchenbücher von Köslin leider nicht. Auch weiß ich nicht, wie überraschend der Tod kam.

Vielleicht wäre folgendes Szenario denkbar: Wißmann befand sich möglicherweise in seiner Funktion als Kriegsrat bei der Truppe (ich habe keine Ahnung, ob so etwas zu seinem Aufgabenbereich gehörte, glaube es aber eigentlich nicht), es kam zu einem Gefecht, bei dem Wißmann verwundet wurde und in der Folge starb. Auffälligerweise finden sich im Zeitraum vom 18.08. bis 04.11.1759 fast nur Offiziere im Sterberegister von St. Marien. Ich habe gezählt, es sind 16 Offiziere, 2 Mannschaften und eine zu vernachlässigende Zahl von Zivilisten. Kam es also tatsächlich in der näheren oder weiteren Umgebung von Stettin zu Kampfhandlungen in einer Größenordnung, daß 16 Offiziere alleine in St. Marien beerdigt wurden? Hatte Wißmanns Tod damit etwas zu tun?

Viele Grüße
consanguineus
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  #4  
Alt 14.01.2022, 17:44
sternap sternap ist offline
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das datum gibt einen teil der antwort.


wenn er gut eingepackt war und das wetter stimmte, kam er hübsch gekühlt an.
da drin könnte bereits ein grund für eine notwendige bestattung in einer gruft in der heimat liegen, wenn z.b. am sterbeort der boden gefroren war.


in den alpen sah ich gelegentlich besonders schön gestaltete zaunbretter, die gar nicht zur sonstigen umgrenzung passten.
wie ich schließlich erfuhr, waren das die totenbretter.
darauf, aber fest vor den größeren tieren weggeschlossen, verbrachte die im winter verstorbenen verwandten liegend ihre zeit, bis man wieder ins dorf konnte und es möglich war, das grab auszuheben.
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freundliche grüße
sternap


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  #5  
Alt 14.01.2022, 17:55
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consanguineus consanguineus ist gerade online männlich
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Hallo sternap,

wir befinden uns mitten im Siebenjährigen Krieg. Meinst Du, es werden in dieser Situation Pferde und Kutsche verfügbar gewesen sein, nur um den toten Kriegsrat im Eiltempo nach Stettin zu bringen? Ich glaube, solchen Firlefanz hätte der Alte Fritz nicht geduldet. Kriegsrat war jetzt kein so dolles Amt, wie man vielleicht glauben mag. Bei Generälen oder Angehörigen des Hauses Hohenzollern hätte ich mir einen Transport noch vorstellen können. Aber nicht bei einem Kriegsrat. Ich denke auch nicht, daß ein Frost Anfang November schon so tief in das Erdreich eingedrungen ist, daß man da mit dem Spaten nichts mehr machen kann. Als Landwirt ist mir so etwas Anfang November jedenfalls noch nicht begegnet.

Viele Grüße
consanguineus
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  #6  
Alt 14.01.2022, 18:01
sternap sternap ist offline
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Zitat:
Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
Als Landwirt ist mir so etwas Anfang November jedenfalls noch nicht begegnet.

Viele Grüße
consanguineus

ich bestehe ja nicht drauf.
aber es geschah in der kleinen eiszeit.
keine ahnung, ob es ein kalter winter war.
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  #7  
Alt 14.01.2022, 18:15
sternap sternap ist offline
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hier kannst du über die möglichen tagesstrecken lesen.


https://de.wikipedia.org/wiki/Tagesreise
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sternap


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  #8  
Alt 14.01.2022, 18:41
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consanguineus consanguineus ist gerade online männlich
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Vielen Dank, sternap, das habe ich mir gedacht. 170 km in zwei oder knapp drei Tagen mit einer Leiche auf der Ladefläche, im November in Hinterpommern: das wäre recht sportlich.

Bleibt die Frage, wie es zu der Diskrepanz in den Aussagen zu Sterbe- und Begräbnisort kommt. Ohne die Kösliner Kirchenbücher geht da wohl nicht viel.

Viele Grüße
consanguineus
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  #9  
Alt 14.01.2022, 19:34
sternap sternap ist offline
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vor jahren hatten wir im forum ein vielleicht brauchbares beispiel.
jemand hatte den letzten aufenthaltsort seines angehörigen im krieg in serbien in nähe belgrads.
tatsächlich gefunden wurde der eintrag zu dem mann zig kilometer weiter.
die militärexperten halfen mit ihrem wissen, das besser zu verstehen.


der letzte aus soldatensicht wahrnehmbare ort war der genannte, meist zog man am feld weiter und hatte keinen anhaltspunkt, wo man jetzt gerade wäre...
somit nannte man in den papieren den größeren, strategisch bedeutsamen ort smederevo mit seiner großen festung - der jedoch zig kilometer vor dem sterbeereignis lag.
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  #10  
Alt 15.01.2022, 00:22
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Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Hallo consanguineus,

Deine Fragen bereichern wirklich das Forum

Also ich hätte ja von Köslin nach Stettin ein Schiff benutzt, siehe hier: Reisegeschwindigkeit.

Dann wären vielleicht noch Todestag und -ort mit anderen Quellen zu verifizieren. Vielleicht ist er ja früher gestorben.

Einen Kriegsrat halte ich für eine ziemlich hochgestellte Persönlichkeit. Es haben auch Geringere ihre sterblichen Überreste über Land transportieren lassen; in meiner Ahnenliste gibt es nur drei Fälle:

- die Pfarrerswitwe Catharina Pflugmacher: ist 1690 in (Magdeburg-) Rothensee gestorben und wurde sechs Tage später in Calbe beerdigt (Distanz ca. 45 km);
- den Münzmeister Anthonius Koburger: ist 1576 in Leipzig gestorben und liegt in der Petrikirche in Eisleben begraben (Distanz ca. 100 km);
- den Ratsherrn Peter Sinner: ist 1431 in Frankfurt verschieden; seine Leiche hat man in einem Fass ins heimatliche Basel gebracht; dort liegt er im Kreuzgang des Münsters beerdigt (Distanz ca. 325 km).

Es grüßt der Alte Mansfelder

Geändert von Alter Mansfelder (15.01.2022 um 00:23 Uhr)
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