#21  
Alt 28.04.2022, 00:23
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NVMini1009 NVMini1009 ist offline männlich
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Zitat von HelenHope Beitrag anzeigen
Was hat es mit dem Namen Grunden auf sich? Wieso ein Dingdener Name? Hat er dort seinen Ursprung?
Seinen Ursprung hat der Name dort vermutlich nicht. Möglicherweise waren Johann Grunden und Columba Kösters die ersten Namensträger in Dingden. Columba stammt lt. Heiratseintrag aus Dingden. Um 1670 gab es dort drei Familien Kösters, über deren möglichen Zusammenhang ich bislang keine sinnvolle Theorie aufstellen kann. Da es im Heiratseintrag Dingdensis (Singular - statt Dingdenses = Plural) heißt dürfte Johann Grunden also kein gebürtiger Dingdener sein. Vor 1662 ist der Name dort offenbar auch nicht nachweisbar.

In den beiden Schatzungsregistern von März und Dezember 1662 heißt es Johan te Grunde olim Thieß Wellingh, pauper bzw. Joan ton Grunde olim Welling, pauper (olim = einst). Das Haus Grunden hat später die Adresse/Hausnummer Dorfbauerschaft 4 erhalten. Irgendwann vor 1982 (Einführung der heute gültigen Straßennamen außerhalb des Ortskerns) wurde das Haus wohl ersatzlos abgebrochen. Auf Luftbildern von 1964 und 1969 ist es schon nicht mehr zu sehen (zur Lage siehe nächster Absatz), allerdings ist die Adresse im Adressbuch von 1970 noch verzeichnet.

Karten aus dem 19. Jahrhundert zufolge muss es etwa am Kreisverkehr am südlichen Ortsausgang gelegen haben, zwischen der Weberstraße und Am Depot. Damals war die Straßenführung noch anders; der Kreisverkehr und die Straße Am Depot (samt dazugehörigen Bahnübergang) waren nicht vorhanden. Stattdessen führte die Straße direkt unterhalb des Hofgelandes Weberstraße 47 entlang und schloss direkt an das Stück an, das auch heute noch von der Straße Am Depot abgeht und in heute einer Sackgasse am Bahngleis endet. Aufgrund der im vorigen Absatz beschriebenen Ungereimtheit besteht hier vielleicht noch Klärungsbedarf.

Jedenfalls war die Familie Grunden damit seit etwa 1660 - also noch vor Beginn der Kirchenbücher 1670 - in Dingden ansässig. Irgendwann wohnte die Familie nicht mehr in dem Haus Dorfbauerschaft 4, das den Namen Grunden wohl von dieser Familie erhielt, aber im 19. und 20. Jahrhundert waren soweit ich das auf die Schnelle feststellen kann noch drei (vielleicht vier) Linien der Familie in Dingden ansässig.

Ob und wo der Name Grunden in der Umgebung noch vorkommt, das weiß ich nicht. Aber bei mir ist er als ein Name abgespeichert, der über jahrhunderte hinweg in Dingden vorkommt.
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  #22  
Alt 28.04.2022, 07:48
HelenHope HelenHope ist offline
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Ich bin ziemlich baff, wieviele Informationen hier doch zusammenkommen, dabei wollte ich hier nur meinen Fund ergänzen. Ich habe auch bei facebook mit nichts gerechnet.

Mal abgesehen von den Kirchenbüchern, die bei Matricula liegen, sind diese Dinge für mich ohne Zugang zu den Archiven nachzuvollziehen?

Ich bin in meiner Forschung bisher noch recht rudimentär unterwegs bezüglich der Quellen und nutze bisher vor allem die Zivil-/Personenstandsregister und Kirchenbucheinträge. Mittlerweile bin ich beim WGfF und entdecke weitere Quellen, aber da ich von allen Orten meiner Vorfahren weit weg wohne, konnte ich bisher noch kein einziges Archiv besuchen. Insgesamt liege ich gerade bei 8 Bundesländern


Jetzt habe ich auf jeden Fall genug in den KB zu erforschen. Und da bin ich mit meinen Hespers auch noch nicht so weit, wie ich es gern wäre, teilweise auch durch die fehlenden Bücher.
Ich danke euch sehr für eure Hilfe!

Geändert von HelenHope (28.04.2022 um 07:49 Uhr)
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  #23  
Alt 28.04.2022, 17:55
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NVMini1009 NVMini1009 ist offline männlich
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Zitat von NVMini1009 Beitrag anzeigen
Karten aus dem 19. Jahrhundert zufolge muss es etwa am Kreisverkehr am südlichen Ortsausgang gelegen haben, zwischen der Weberstraße und Am Depot. Damals war die Straßenführung noch anders; der Kreisverkehr und die Straße Am Depot (samt dazugehörigen Bahnübergang) waren nicht vorhanden. Stattdessen führte die Straße direkt unterhalb des Hofgelandes Weberstraße 47 entlang und schloss direkt an das Stück an, das auch heute noch von der Straße Am Depot abgeht und in heute einer Sackgasse am Bahngleis endet. Aufgrund der im vorigen Absatz beschriebenen Ungereimtheit besteht hier vielleicht noch Klärungsbedarf.
Ich muss mich bezüglich der Lage wohl korrigieren. An der von mir beschriebenen Stelle ist in der Preußischen Kartenaufnahme 1836-1850 zwar ein Haus verzeichnet, aber die Beschriftung Gründen gehört nicht zu diesem Haus.

Vielmehr stehen ein Stück weiter westlich zwei Häuser mit den Beschriftungen Gründen (= Zum Tollberg 8) und Schmeing (= Zum Tollberg 12).

Dieser Teil der Dorfbauerschaft ist für mich leider noch etwas undurchsichtig. Und mit diesen zwei Häusern und der Adresse Dorfbauerschaft 4 wird es leider vorerst nicht klarer.

Denn während 1849 unter der Dorfbauerschaft 4 ein 48-jähriger Johann Schmäinck verzeichnet ist, wohnt dort 1875 eine ganz andere Familie. 1932 dann hat aber der Josef Schmänk (* 04.04.1886) ein Unternehmen gegründet, das später nach seinen 1945 ins Geschäft eingetretenen Söhnen Heinrich Schmänk (* 23.08.1920 † 13.08.2006) und Walter Schmänk (* 23.06.1922 † 20.05.2003) H. u. W. Schmänk hieß.

Die Familie Schmänk ist es, die 1929-1970 in den vorhandenen Adressbüchern unter der Adresse Dorfbauerschaft 4 verzeichnet ist.

Und tatsächlich handelt es sich bei dem mit Schmeing beschrifteten Haus auch um das eigentliche Haus Grunden = Dorfbauerschaft 4. Warum? Unter der Adresse des anderen, mit Gründen beschrifteten Hauses (Zum Tollberg 8) ist heute eine Familie Böing verzeichnet. Im Adressbuch von 1970 findet man in der Dorfbauerschaft einen Bauer Johann Böing unter der Adresse Dorfbauerschaft 41. Das Haus Dorfbauerschaft 41 trug den Namen Ahmann. Erstmals wird dieser Name in den 1740er-Jahren in Dingden erwähnt. Im Status animarum von 1749 findet sich zum einen das Domus Grunde mit Henricus Grunde und Eva Zimkes samt Kindern (Henrich Grunden und seine dritte Frau Eva Simons); zum anderen sind dort als Inquillini verzeichnet der Wesselus Ahman und die Adelheidis Vorenfeldt. Das Haus Ahmann gehörte also ursprünglich zum Haus Grunden, was die Beschriftung Gründen erklärt. Die Schreibweise mit 'ü' wird übrigens ganz einfach dadurch erklärt, dass bei dieser Kartenaufnahme relativ häufig Namen in z. T. nicht ganz korrekten Abwandlungen widergegeben sind, möglicherweise weil sie durch Nicht-Ortskundige erstellt wurde.

Die heutige Adresse/Lage des Hauses Dorfbauerschaft 41 war mir bislang nicht bekannt, bzw. ich konnte sie nicht ermitteln. Bei der heutigen Adresse/Lage des Hauses Dorfbauerschaft 4 hatte ich mir tatsächlich etwas falsches notiert, was ich dann gestern Abend hier ohne meinen Fehler zu bemerken widergegeben habe.

Zusammengefasst kann ich nun also mit Sicherheit sagen:

Dorfbauerschaft 4 = Grunden = Zum Tollberg 12
Dorfbauerschaft 41 = Ahmann = Zum Tollberg 8
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  #24  
Alt 28.04.2022, 22:40
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Mal abgesehen von den Kirchenbüchern, die bei Matricula liegen, sind diese Dinge für mich ohne Zugang zu den Archiven nachzuvollziehen?
Online sind da denke ich am ehesten noch die vorhandenen Karten zu nennen.

Die erwähnte Preußische Kartenaufnahme findet sich hier, unter Kartenwahl (weißer Pfeil auf blauem Untergrund oben links) -> Topographische Karten -> Historische Topographische Karten.

Relevant sind dabei (für Dingden und Umgebung):
1836-1850 Preußische Kartenaufnahme (Uraufnahme) 1 : 25 000
1891-1912 Preußische Kartenaufnahme (Neuaufnahme) 1 : 25 000
1936-1945 Topographische Karte 1 : 25 000
1937-2016 Deutsche Grundkarte 1 : 5 000

Dort finden sich auch ein paar Luftbilder verschiedener Jahrgänge.

Übrigens - der Kotten, von dem Eva Simons, die dritte Frau des Henrich Grunden, stammt (Simons, später Siemen geschrieben), wird in der Uraufnahme Siemann genannt (nicht weit von Grunden und Ahmann). Auch ein weiteres gutes Beispiel für nicht ganz korrekt widergegebene Namen in diesen Karten.

Einige weitere digitalisierte Karten und Luftbilder (für Dingden und Umgebung sowie auch allgemein) lassen sich auch auf den Seiten des Landesarchivs NRW finden.
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